Normandie
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Herrliche Küstenwanderung von Yport nach Étretat auf dem GR21

Étretat - Bucht, Klippe und die hohe Nadel

Étretat mit seiner leuchtend-weißen Steilküste, dem fotogenen Felsentor und der geheimnisumwitterten Felsnadel ist ein touristisches Lieblingsziel in der Normandie. Deswegen ist es meist auch recht gut besucht. Wer Ruhe und puren Naturgenuss sucht, wird bei einem Besuch im quirligen Ort eher nicht fündig. Beides gibt es aber im Überfluss, wenn man sich Étretat erwandert, und zwar über den Küstenwanderweg GR21.

So verläuft die Wanderung nach Étretat

Ich stelle hier einen faszinierend schönen Abschnitt auf dem GR21 vor, der von Yport nach Étretat führt. Die Strecke ist etwa 11 Kilometer lang, ihr solltet dafür etwa drei Stunden Gehzeit einplanen. Zeit für Picknick- und Fotopausen kommt natürlich noch dazu. Und die Fotopausen lohnen sich!

Felsnadel bei Étretat an der Alabasterküste

Den Track zur Tour könnt ihr sehen, wenn ihr auf diesen Link klickt:

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Organisatorische Tipps für die Tour

  • Es empfiehlt sich, morgens in Étretat zu parken, mit dem Bus nach Yport zu fahren und von dort zurück (westwärts) zu wandern.
  • Der große Parkplatz am südwestlichen Ortsrand von Étretat ist kostenlos. Man muss aber eine Viertelstunde Fußweg einkalkulieren, um ins Zentrum zu gelangen. Der zentraler gelegene Parking du Grand Val spart 800 Meter Gehstrecke, kostet dafür aber 8 Euro am Tag (2022).
  • Der Nomad-Bus 24 fährt mehrmals täglich die Strecke von Fécamp nach Le Havre und macht dabei auch Station in Étretat. Ihr fahrt von der Haltestelle Étretat, Mairie im Ortszentrum rund 20 Minuten lang bis zur Station Yport, Place du Marché. Das kostet pro Person 2 Euro (2022).
  • Wir sind dem usprünglichen Verlauf des GR21 gefolgt, der direkt an der Steilküste verläuft und für geübte Wanderer gut zu begehen ist. In jüngster Zeit gibt es Bemühungen, den Fernwanderweg von den Klippen weg, weiter ins Landesinnere zu verlegen. So führt der neue offizielle Verlauf durch das Dorf Bénouville, an dem unsere Wanderung vorbeigeht.

Los geht’s im kleinen Seebad Yport

Vom Marktplatz (dort gibt es auch eine öffentliche Toilette) sind es zu Fuß nur 5 Minuten bis zum Strand von Yport. Der liegt auf unserem Weg und ist außerdem recht hübsch. Wie fast alle Strände der normannischen Alabasterküste ist er ein Kiesstrand.

Badehäuschen am Strand von Yport

Eingefasst wird er von steilen, weißen Klippen, die auch ohne Felsentor einen sehr schönen Rahmen für den Badeort Yport abgeben.

am Strand von Yport
die Bucht von Yport

Das Gebäude, vor dem auf dem obigen Foto die Fahnen stehen, ist das Casino von Yport. An seiner (von der Bucht aus gesehen) linken Seite führt eine Treppe zu den höher gelegenen Häusern. An ihrem oberen Ende gelangt man auf eine kleine Straße, die am Ortsrand in einen Feldweg übergeht – ab hier herrscht echtes Wanderfeeling auf dem GR21.

auf dem GR21 bei Yport

Von Yport bis zur Valleuse d’Étigue

Zunächst geht es zwischen Wiesen und Feldern entlang. Verlaufen kann man sich nicht, da der Weg mit rot-weißen Streifen gut erkennbar markiert ist.

Wegmarkierung auf dem GR21

Unweit dieser Markierung stößt man auf die D211 (Route d’Yport), von der ein Fußweg nach rechts ins Dorf Vaucottes abzweigt. Er entpuppt sich beim Absteigen als grüner Hohlweg.

Hohlweg nach Vaucottes

Vaucottes liegt in einem tiefen Einschnitt, von dem es einen Durchgang zum Meer gibt (valleuse). Diese Valleuses sind typisch für die Region und oft besonders malerisch. Sie machen aber das Wandern an der Alabasterküste auch ein bisschen anstrengend: Man steigt immer wieder mal hinunter in eine Valleuse und dann wieder hinauf auf die Klippe. So kommen schon ein paar Höhenmeter zusammen.

Nach Vaucottes geht es also wieder aufwärts und zunächst wieder zwischen Feldern und Wiesen entlang. Als wird dort waren (im Juni), blühte gerade der Flachs. Sieht das nicht hübsch aus?

blühender Flachs an der normannischen Küste

Und dann geht es ran an die Küste!

auf dem Küstenwanderweg zwischen Yport und Étretat

Erst abwärts, dann wieder aufwärts. Und so wunderschön!

auf dem GR 21 zwischen Yport und Étretat

Wenn ihr im obrigen Foto genau hinseht, ist links, etwa in der Bildmitte, ein schmaler Einschnitt zu erkennen. Das ist die Valleuse d’Étigue, durch die man zum Meer hinuntergelangt. Bei Ebbe wird dort ein kleiner Kiesstrand freigelegt. Bei Flut gibt es einfach eine herrliche Aussicht und einen prima Platz für ein Picknick oder wenigstens einen Wandersnack.

die Valleuse d'Étigue an der Alabasterküste bei Étretat

Auf dem Littoral de Normandie bis Étretat

Die neue Wegführung geht von der Valleuse südwärts bis ins Dorf Benouville, wo es auch eine kleine Einkehrmöglichkeit gibt. Wir sind dem ursprünglichen GR21 gefolgt und erst einmal wieder hinauf auf die Klippe gestiegen.

Aufstieg aus der Valleuse d'Étigue

Das folgende Wegstück gehört zu den schönsten, die ich meinem an Naturschönheit reichen Wanderleben bisher gesehen habe. Die einsame Felsnadel im Bildunten rechts ist die Aiguille de Belval. Sie ist nicht so hoch wie die Felsnadel an der Falaise d’Aval in Étretat, ich finde sie aber mindestens genauso schön. Am Beginn dieses Posts habt ihr ja schon ein Foto davon gesehen.

auf dem GR21 bei Étretat

Die Kühe interessieren sich allerdings nicht besonders für romantische KLippen und Felsnadeln.

auf dem Küstenwanderweg nach Étretat

Wobei die Kühe schon nett sind.

normannische Kühe

Anders als die Wiederkäuer musste ich die Klippen und Felsen schon ausgiebig anschauen, bestaunen und knipsen. Natürlich mit Zoom, um die Möwen nicht zu stören.

die Aiguille de Belval bei Étretat

Kurz darauf kommt schon die nächste interessante Felsformation in Sicht. Meines Wissens hat sie keinen Namen. Aber aus meiner Sicht hat sie die Form eines Bügeleisens.

Wanderweg an der Alabasterküste

Von hier ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Ziel unserer Küstenwanderung. Da lohnt doch ein Blick zurück. Die Côte d’Albâtre ist staunenswert schön.

Blick über die Steilküste bei Étretat

Endspurt!

Nun kommt schon die Falaise d’Amont mit ihrem kleinen Felsentor in Sicht.

das Felsentor an der Falaise d'Amont von Osten

Die Felsformationen bei Étretat sind schon ziemlich eindrucksvoll.

die Felsformationen an der Falaise d'Amont bei Étretat

Nachdem wir auf der gesamten Strecke nur sehr wenigen Wanderern begegnet sind, ist der Trubel, der uns in Étretat erwartet, zunächst ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Touristen bestaunen das Felsentor und die hohle Nadel bei Étretat

Über breite Trppen geht es von der Steilküste abwärts in den Ort mit seiner Promenade und dem für die Region typischen Kiesstrand.

Am Strand von Étretat

Étretat selbst ist recht hübsch. Es gibt jede Menge Hotels, Restaurants, Cafés und kleine Läden. In den Läden kann man zum Teil nett einkaufen, aber die Preise in der Gastronomie sind ziemlich gesalzen.

in Étretat

Unsere Wanderung und damit der Track endet am Busbahnhof an der Mairie. Von dort sind es nur wenige Gehminuten zum Haus von Maurice Leblanc (mehr dazu im nächsten Abschnitt) und zum Parking du Grand Val.

Was ihr sonst noch zu dieser herrlichen Küstenwanderung und zu Étretat wissen solltet

Falls ihr euch fragt, was der GR21 ist, wo genau die Alabasterküste verläuft und was man in Étretat noch so machen kann: In diesem Abschnitt findet ihr die Antworten.

Was gibt es in Étretat zu sehen?

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebte man in Étretat vorwiegend von der Fischerei. Als Seebad wurde das Dorf erst spät entdeckt, aber der Tourismus gewann enorm an Schwung, als 1890 die Bahnlinie gebaut wurde. Daher gibt es in Étretat heute noch etliche hübsche Villen aus der Belle-Époque, die das Ortsbild prägen. Die Hauptsehenswürdigkeit ist natürlich der Strand mit den beiden Kliffs samt Felsbögen.

Im Osten der Bucht liegt die Falaise d’Amont mit einem kleinen Felsentor. Von hier oben aus hat man den besten Blick auf die im Westen der Bucht liegende Falaise d’Aval mit dem großen Felsentor und der Felsnnadel (Aiguille) davor.

Zwischen der Falaise d’Amont und dem Ort liegen eine kleine Kapelle und die Gärten von Étretat. Da beide auch von einer kleinen Touristenbahn (petit train touristique) erschlossen werden, ist dort meistens sehr viel los.

La Chapelle des Pêcheurs in Étretat

Eine weit weniger frequentierte, aber sehr interessante Sehenswürdigkeit in Étretat ist Le Clos Arsène Lupin. In diesem Haus schrieb der Schriftsteller Maurice Leblanc die Geschichte um den Gentleman-Dieb Arsène Lupin und dem Schatz der französischen Könige in der hohlen Nadel. Zumindest in Leblancs blühender Fantasie ist die Aiguille nämlich hohl und über einen Geheimgang zu erreichen.

Hinweisschild zu Le Clos Lupin

Das großzügige Anwesen beherbergt heute ein sehr ungewöhnliches Museum.

Le Clos Lupin in Étretat

Man kann es nur in kleinen Gruppen mit zeitlichem Abstand besuchen. Geführt wird man von einem Audioguide, den es auch auf Deutsch gibt. Zunächst geht es in das spärlich beleuchtete Arbeitszimmer von Maurice Leblanc …

Im Arbeitszimmer von Maurice Leblanc in Étretat

aber schon bald mischt sich Arsène Lupin ein und übernimmt selbst die Führung, die den Besucher Schritt für Schritt dem Geheimnis des Meisterdiebs und der hohlen Nadel näherbringt. Eine ganz besondere Besichtigungstour, die uns viel Spaß gemacht hat! Hier findet ihr die Öffnungszeiten und Preise zu Le Clos Arsène Lupin.

Was ist der GR21 und wo verläuft er?

In Frankreich gibt es eine ganze Reihe von Fernwanderwegen. Fernwanderweg heißt auf Französisch Chemin de Grande Randonnée, weswegen die Fernwanderwege mit GR abgekürzt und durchnummeriert werden. Markiert werden sie mit einem weißen und einem roten Balken.

Der GR21 ist insgesamt 190 Kilometer lang und führt von Le Tréport an der Ostgrenze der Normandie bis Le Havre. Er wird manchmal auch einfach als Littoral de la Normandie (Normandie-Küstenwanderweg) bezeichnet. Seinen kompletten Verlauf könnt ihr hier bei Komoot einsehen.

2020 wurde der GR21 übrigens zum beliebtesten Fernwanderweg der Franzosen gewählt. Wenn ihr nicht gerade im Juli oder August und am besten an einem Wochentag kommt, werdet ihr trotzdem garantiert nicht von anderen Wanderern überrannt werden.

Und was ist die Alabasterküste?

Zwischen Le Tréport an der Grenze zur Pikardie und Le Havre an der Seine-Mündung erstreckt sich eine Steilküste, deren bis zu 90 Meter hohe Klippen vorwiegend aus cremefarbener Kreide bestehen, die von schwarz glänzenden Feuersteineinsprengseln (silex) durchzogen ist.

Kreidefelsen mit Feuersteinstücken an der Alabasterküste in der Normandie

Weil die Steilwände in der Sonne sehr hell, fast leuchtend wirken, bekam die Küste den Namen Côte d’Albâtre, Alabasterküste.

Wegen ihrer buchstäblich malerischen Schönheit und auch wegen des weichen Lichts zog die Alabasterküste viele bekannte Impressionisten an. Monet, Sisley, Boudin und Pissarro, sie alle malten an den Küstenorten und natürlich auch in Étretat und trugen so zur Berühmtheit des Seebads bei.

Falls ihr nach weiteren außergewöhnlich schönen Wanderungen in der Normandie sucht, empfehle ich euch meine Posts über die Küstenwanderung zur Cabane Vauban bei Carolles und über die (Barfuß-) Wanderung durch die Bucht zum Mont-Saint-Michel.

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